Bouldern in Huayllay

Infos, Topo, Tips und Pics zum peruanischen Bouldertopspot

Bilder – Tom Thudium

Text – Alexander Förschler

Beim morgendlichen Aufwärmen in der 45° area

Vor zwei Jahren machte sich die Felskadercrew, mich inbegriffen, zum Bouldern nach nach Huayllay ins Hochland von Peru auf. Wolfgang Güllich hat dort bereits seine Spuren hinterlassen und eine sehr fotogene Felsnadel erstbegangen.

Davon inspirirt startete vor einigen Jahren ein österreichisches Team, darunter Bernd Zangerl und der Fotograf Radek Capek und erschlossen die ersten Boulder des Gebiets.

Während unseres Aufenthalts wurden zwei große Blockfelder teilweise erschlossen: „Dogtown“ (wegen der Hundeatacken, mit welchen beim Zustieg stets zu rechnen war) und die „45° area“ (die flachsten Linien hängen hier, sehr zu unserer Freude, mindestens 30° über).

Diesen Sommer war dann noch eine amerikanische Gruppe mit Matt Wilder in Huayllay und hat einen weiteren Sektor weiter unten am Fluss erschlossen.

Charakteristik der Kletterei

Die Kletterei wird hauptsächlich von Löchern und Leisten dominiert. Schwere, bewegungslastige Topouts sind eine Seltenheit, dafür ist es davor oft sehr steil und kräftig. Geklettert wird an, von Gasblasen durchsetztem Gestein vulkanischen Ursprungs, welches zum Teil recht scharf ist. Tape sollte man daher nicht vergessen.

Vera in „Mr Y“ (7b+)

Tom macht sich kaputt in „Macht kaputt was euch kaputt macht“ (8a)

Beste Jahreszeit

Die Bedingungen sind im Winter (europäischer Sommer) nahezu perfekt. Tagsüber herrschen meist zwischen 10 und 20°C, allerdings ist es sehr trocken und der Grip daher ideal. Abends hagelt es nahezu jeden zweiten Tag, regnen tut es scheinbar nie.

Anfahrt

Per Mietwagen

Ein Geländewagen mit Allrad ist generell nicht nötig, da die Straßen wegen des Minenbetriebs vor Ort in sehr gutem Zustand gehalten werden.

Es gibt zwei Strecken, über die Huayllay vom internationalen Flughafen in Lima per Mietwagen erreichbar ist:

Man kann innerhalb eines Tages über Oroya und Huancao nach Huayllay fahren. Allerdings geht es in zwei Stunden direkt auf den ersten Pass von Null auf 4500 Meter Höhe.

Die kürzere Strecke führt über Canta und steigt wesentlich gemächlicher an. Sofern man sich mehrere Tage für die Strecke Zeit lässt, kann man sich besser an die Höhe gewöhnen. Allerdings ist der letzte Streckenabschnitt von Canta nach Huayllay nur mit Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung zu empfehlen, da die letzten 60 Kilometer beziehungsweise vier Stunden Fahrt über Schotterpisten führen.

Fortbewegung im Rikschataxi

Per Bus

Abenteuerlicher und billiger ist es allerdings, von Lima per Bus nach Cerro de Pasco und von dort aus mit dem Taxi weiter nach Huayllay zu fahren. Die 45° area, der Hauptsektor, grenzt direkt an die Stadt an und ist einfach zu fuß zu erreichen. Wohnt man etwas außerhalb, kann man sich dennoch, gegen eine kleine Gebühr, per Rikscha- oder Pkw-Taxi zu jeder Zeit relativ flexibel bewegen.

Übernachtung

In Huallay gibt es ein Hotel und im fünf Kilometer entfernten Dorf Canchacucho befindet sich eine neue Hotelbungalowsiedlung, welche neuerdings bewohnbar ist. Zu Zelten ist nur mit warmer Ausrüstung empfehlenswert, da die Temperaturen nachts sprunghaft von tagsüber 25°C auf unter Null sinken.

Außerdem kann man im Hotel bei den heißen Quellen übernachten.

die neue Hotelbungalowsiedlung

Essen/ Trinken/ Einkaufen

In Peru essen zu gehen ist wesentlich günstiger als bei uns und kostet ungefähr ein Sechstel bis zu einem Drittel. Allerdings sind die Qualitäts- und Hygienestandards „peruanisch” bzw. stark unterschiedlich. Magenverstimmungen sind vorprogrammiert.

In jedem Dorf gibt es zahlreiche kleine Läden, in denen man sich mit dem Grundbedarf an Nahrungsmitteln sehr günstig eindecken kann. Allerdings ist die Auswahl gewöhnungsbedürftig und sehr begrenzt. Bier ist sogar genauso teuer, wie in unseren Gefilden. :(

einer der Typischen, kleinen, hervorragend sortierten peruanischen Straßenläden. Inkacola, Coca Cola, Nestlé und Perubrötchen im Sortiment

Akklimatisation

Wegen der Höhe, über 4000 Metern, sollte man sich zunächst akklimatisieren und die Nächte in den Tälern unter 3500 Metern verbringen. Die nächste Straße von der Hochebene aus talabwärts führt von Cerro de Pasco in Richtung Huanuco und ist in 30 Minuten erreichbar! Nach unseren Erfahrungen meldet sich der alte Boulderstrom erst nach ca. einer Woche der Anpassung wieder zurück.

Und Sonst…

…sollte man auf keinen Fall die wunderschöne Offroadpiste nach Canta durch die Anden verpassen. An Ruhetagen kann man in den vulkanisch “beheizten” Thermen  abhängen bzw. sich durchkochen lassen! Zum Tradklettern scheinen einige sehr beeindruckende Wände durchaus lohnenswert. Und Cerro de Pasco, die vielleicht “hässlichste, aber dennoch sehr hübsche Stadt der Welt”, welche sich innerhalb eines riesigen Silberminenkraters mit  über 60 000 Einwohnern befindet, ist auch immer einen Besuch wert.

grandiose Andenlandschaft auf dem Weg nach Canta

Auswahl lohnenswerter Boulder

  • Bottle bucket chain reaction 6b 
  • Hotspringburn 6c
  • Senga  7a Schöne, luftige Kante
  • Mr Y 7b+
  • Viva el Mono 7c Das ein oder andere Fingerloch ist zu halten
  • Bernd das Brot 7c+ Glasige griffe durch schmalen, 45° überhängenden Bug
  • The global village 8a Tolle Linie mit Highballkarakter
  • Flatscreen 8a+ Pressig und technisch durchs Schild

Frieder im „Mr Y“ (7b+)

Topo, Links und Vortrag

Das Topo mit allen zugehörigen Infos und den bisher erschlossenen Bouldern gibt’s HIER

Ein top Video von Bigcutproductions mit der Felskadercrew git’s HIER

Weitere Infos, Bilder und Geschichten gibt’s auf Felskader-bw.de und in unserer Vortragsreihe:

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